Gesamtstrecke: 432.33 km
Gesamtanstieg: 3861 m
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Der Rhein-Marne Kanal

Rhein Marne Kanal
Rhein Marne Kanal

Einer der meist-befahrenen touristischen Wasserstraßen Frankreichs ist der Rhein-Marne-Kanal (Canal de la Marne au Rhin). Als einer der längsten, verbindet er das Elsass mit Lothringen und, über den Marne-Saône-Kanal, das Elsass mit dem Burgund. Der Kanal wurde zwischen den Jahren 1838 und 1853 angelegt und um die erheblichen Höhenunterschiede zu überwinden, wurden 178 Schleusen benötigt. Auf der Wasserstraße verkehrten exakt im Hinblick auf Größe und Tiefgang angepasste kleine Frachtschiffe, die sogenannte Péniches. Allerdings nahm die Bedeutung des Kanals aufgrund der Konkurrenz durch die Eisenbahn schnell ab. Heutzutage nutzen fast nur noch Sport- bzw. Ausflugsboote das Gewässer. Ein Höhepunkt auf der Strecke ist das gigantische Schiffshebewerk bei St.Louis/Arzviller südlich von Saverne. Auf einer Länge von 110 Meter und einer Steigung von 41% wird ein Höhenunterschied von 44,55 Metern überwunden. Das Hebewerk ersetzt siebzehn Schleusen.

Hagenau – Brumath

Rhein-Marne Kanal Brumath
Rhein-Marne Kanal Brumath

Ich kam über Wissembourg nach Hagenau geradelt und hatte schnell den Camping-Platz außerhalb der kleinen Stadt gefunden. Hier in Frankreich gibt es zahlreiche Städte und Gemeinden mit angeschlossenem Camping. Diese tragen den Zusatz Municipale und sind in der Regel gut ausgestattet und überdurchschnittlich günstig. Hagenau, mit 35000 Einwohnern die viertgrößte Stadt im Elsass, war als Residenzstadt der Staufer ein wichtiger Ort. Von diesen glanzvollen Tagen ist heutzutage nichts mehr zu spüren. Dennoch, es gibt eine gemächliche Altstadt mit einigen interessanten Sehenswürdigkeit. Am Abend machte ich noch einen kurzen Stadtbummel zur Kirche St-Georges und zum Musée Alsacien. Nach einer ruhigen Nacht radelte ich zum Rhein-Marne Kanal, der 13 km südlich von Hagenau in einer weiten Schleife nach Süden fließt und bei Straßburg in den Rhein mündet.

Rhein-Marne Kanal - Bei Brumath
Rhein-Marne Kanal – Bei Brumath

Es war warm und bewölkt. Manchmal brachen helle Sonnenstrahlen die dicke Wolkendecke auf. Der Radweg, eingebettet in eine sattgrüne Auenlandschaft, führt immer entlang des Kanals und durchquert dabei romantisch-verträumte Elsass-Dörfer. Nach einer halben Stunde setzte ich mich auf eine kleine Wiese direkt am Fluss und aß zwei Croissants, die ich zuvor in einer Landbäckerei in Brumath gekauft hatte und trank einen Kaffee dazu. Kaum war ich wieder unterwegs gewesen, verschwanden allmählich die Wolken und es wurde ein herrlicher Spät-Sommertag.

Saverne

Blick auf Savern
Blick auf Savern

Da der Radweg nahezu die ganzen Kilometer entlang des Kanals verläuft, war es kaum möglich sich zu verfahren. Trotz der Klarheit der Strecke hatte ich nie das Gefühl von Eintönigkeit. Die Landschaft im Hintergrund veränderte sich zunehmend je weiter es in die Vogesen ging. Die Wälder wurden dichter und es gab weniger Landwirtschaft zwischen den farbenfrohen Dörfern.

Am Ostrand der Zaberner Senke gelegen, ist Saverne das Tor in die Vogesen. Hier verläuft der mit einer Höhe von knapp 400 Meter niedrigste Übergang von der Rheinebene nach Lothringen. Mit der Zorn und dem Rhein-Marne Kanal durchfließen gleich zwei Flüsse die kleine Stadt. Wofern der Kanal rege von Hobby-Schiffern befahren war. Saverne ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in die Vogesen und für Hobby-Schiffer, die sich einen Tag in einer schönen, nicht überlaufenen Stadt, vom Wasser erholen wollen. Aber natürlich auch für alle Liebhaber von mittelalterlichen Stadt-Kernen ist die Stadt ein Juwel. Denn über Saverne führt auch die berühmte Route Roman d’Alsace, die viele Baudenkmäler der Epoche der Romantik im Elsass miteinander verbindet.

Schiffshebewerk Arzviller

Arzviller Schiffshbewerk
Arzviller Schiffshbewerk — By Antoine TaveneauxOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Seit 1969 in Betrieb, ersetzt das Hebewerk siebzehn vormalige Schleusen im Tal der Zorn. Solche Hebewerke mit Schrägaufzug gibt es lediglich noch zwei Mal. Zum einen im belgischen Ronquières und zum anderen am Krasnojarsker Stausee in Russland. Als das Hebewerk geplant wurde, war man noch von dem wirtschaftlichen Nutzen der Konstruktion überzeugt. Der Handel zwischen Zentral-Frankreich und dem Rhein sollte mit dem Kanal erleichtert werden. Doch die immer günstiger werdenden Transportmöglichkeiten via Schiene und Straße machten die Profitabilität des Baus schon zur Fertigstellung zunichte. Der Radweg führt auf einem Teilstück entlang des stillgelegten Teils des Kanals. Die schon seit Jahrzehnten sich selbst überlassenen Schleusen und die Wasserrinne, die selbstverständlich heutzutage kein Wasser mehr enthält sind sehr sehenswert.

Sarrebourg

Blick auf Sarrebourg
Blick auf Sarrebourg

Knapp zwölf Kilometer nach dem Hebewerk folgt Sarrebourg. Die Kleinstadt liegt am westlichen Rand der Vogesen und ist ein Zentrum der Metall- bzw. Agrarindustrie. Der alte Stadtkern entfaltet durchaus seinen eigenen Reiz und ein absoluter Höhepunkt ist ein Glasgemälde in der Chapelle de Cordeliers. Das Gemälde mit dem Namen „Le Paix“ wurde von Marc Chagall angefertigt. Es zeigt die Schöpfungsgeschichte und den Einzug Jesu in Jerusalem. Mittlerweile war es Nachmittag geworden und ich musste mir langsam überlegen, wo ich die Nacht verbringen wollte. Rund dreißig Kilomter nach Sarrebourg gibt es das Camping Municipal de Parroy direkt am Kanal. Dort beendete ich den Tag. Ich hatte Glück mit dem Wetter. Es war sonnig und der Himmel war blau, aber die Nächte waren kalt.

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