Erster Teil: Über den Odenwald nach Unterfranken

Dieser Beitrag ist ein Dauerwerbeartikel


Die Karte - Bis Schweinfurt

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Die Tour startet in Weinheim an der Bergstraße, einer kleinen Stadt am Rande der Rheinebene. Vom historischen Marktplatz geht es an der Weschnitz zur B38 in Richtung Fürth im Odenwald. Lediglich auf wenigen Teilabschnitten gibt es einen Radweg und von Fürth bis Mossautal nur die Straße. Aber von dort bis zum Marbacher Stausee führt ein herrlicher, gut ausgebauter Radweg, zwischen saftigen Wiesen und kleinen Wäldern hindurch. Daraufhin bleibt nur die B45 bis zum Radweg, der sich von Michelstadt hinauf zum Jagdschloss Eulbach durch einen dichten Fichtenwald schlängelt. Auf kleinen Wegen geht es daraufhin hinunter nach Amorbach und Miltenberg und von dort geht es dann auf dem Main-Radweg bis Marktheidenfeld.

Miltenberg am Main
 Miltenberg am Main

Es war ein regnerischer Frühlingsmorgen, als ich noch in der Dämmerung auf mein bepacktes Fahrrad stieg. In den kalten Monaten hatte ich mich auf die Reise vorbereitet und je länger ich über die Strecke, Gegenden und Orte, durch die ich nun radeln würde, las und nachdachte, desto mehr stieg meine Vorfreude ins Unermessliche. Ich fuhr auf einem Radweg entlang der B38, als bei Mörlenbach die Sonne langsam über den Horizont gekrochen kam. Es hatte aufgehört zu regnen und der Morgennebel lichtete sich. Bei Fürth im Odenwald wechselte ich auf die B460, die höher in die Berge führt. Von Bergen zu sprechen mutet etwas übertrieben an. Denn das sanfte Mittelgebirge mit offenen Laubwäldern, Streuobstwiesen, romantischen Burgen und Schlössern und, zumal im Frühling, mit vielen bunt blühenden Weiden, ist nicht sehr hoch.

Im Odenwald
 Im Odenwald

Der höchste Berg des Odenwaldes ist mit 626 m. der Katzenbuckel. Auf der Strecke nach Michelstadt fuhr ich durch das Mossautal und am Marbacher Stausee vorbei. Unterdessen kam ich über eine Höhe von dreihundertfünfzig Meter nicht hinaus. Erst als ich über die Boxbrunner Höhe musste, um ins unterfränkische Amorbach zu gelangen, kam ein steiler Anstieg auf eine Höhe von über 500 Meter. Für die Anstrengung wurde ich mit einem traumhaften Panorama und wunderschönen Ausblicken über die Rheinebene belohnt.

Von Amorbach bis Miltenberg

Kurz nach Amorbach waren wieder Wolken aufgezogen und es begann, etwas zu regnen. Das war nicht schlimm. Es war ein lauer Vormittag und ich hatte leichte Regenkleidung. Der Radweg nach Miltenberg war einfach zu fahren und so kam ich gegen Mittag dort an. Neben der anmutigen und pittoresken Altstadt und dem malerischen Main, begrüßte mich ein strahlend blauer Himmel, und es wurde ein sonniger und warmer Frühlingstag. Eingebettet in das Mainviereck zwischen Gemünden, Wertheim, Miltenberg und Aschaffenburg, erhebt sich auf der gegenüberliegenden Seite des Mains der Spessart, der eines der größten Waldgebiete Deutschlands ist. Das altfränkische Miltenberg, eines der reizvollsten Städtchen entlang des Mains, erstreckt sich zwischen Odenwald und Spessart und ist auch die Sprachgrenze von Hessen zu Franken.

Der Odenwald

Im schönen Odenwald, wo Deutschland besonders südländisch anmutet, herrscht mit einer Durchschnittstemperatur von 10 °C ein überaus mildes Klima. Sogar Pflanzen aus dem Mittelmeerraum und der Weinanbau gedeihen prächtig an der Bergstraße. Zudem gibt es viele hervorragende Radwege und Anschlussmöglichkeiten zu überregionalen Radreiserouten. Neben anspruchsvollen Bergetappen und Mountainbikestrecken gibt es reizvolle Radwege entlang von Bächen, Flüssen und Tälern. Beispielsweise überquert der Main-Neckar-Radweg den Odenwald zwischen Main- und Neckartal

Hier beginnt für mich der Main-Radweg. Schon seit vielen Jahren ist er ganz vorne mit dabei, wenn es um das Rennen der beliebtesten und schönsten Radwege Deutschlands geht. Aber nicht nur landschaftlich hat der Radweg einiges zu bieten, auch kulturell gibt es sehr viel zu entdecken. Neben einer klugen Streckenführung ist die Beschilderung durchgängig vorhanden.

Wertheim am Main
 Wertheim am Main

Miltenberg und Wertheim

Wertheim am Main
 Wertheim am Main

An den prächtigen Fachwerkbauten im historischen Schwarzviertel, dem ältesten Teil der Stadt, erkennt der Radreisende den einstigen Reichtum und große Bedeutung Miltenbergs. Am Marktplatz mit seinem weltberühmten „Schnatterloch“, trank ich ein kühles Radler in einem der ältesten Gasthäuser Deutschlands, dem Hotel „Zum Riesen“. Dann machte ich mich auf den Weg in Richtung Wertheim. Es war schon Nachmittag, als ich bei Freudenberg auf die Nordseite des Main-Radwegs wechselte. Obwohl auf beiden Seiten des Mains gut ausgebaute Radwege vorhanden sind, finde ich es reizvoller auf dem zum Spessart hin gelegenen Mainufer zu radeln. Am frühen Abend kam ich nach Wertheim. Nun war ich nicht mehr in Franken, sondern in der nördlichsten Stadt Baden Würtembergs. Das oft als „Klein-Heidelberg“ bezeichnete Städtchen, mit immerhin 21000 Einwohnern liegt überaus malerisch zwischen Main und Tauber. Neben der stattlichen Burgruine sorgen die verwinkelte Altstadt und die zahlreichen Fachwerkhäuser für ein romantisches Flair.

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Eine Nacht in Marktheidenfeld

Nachdem ich mir Wertheim näher angeschaut hatte, fuhr ich noch etwa 25 km den Main entlang. Kurz vor Marktheidenfeld hielt ich am Campingplatz „Main-Spessart Park“. Obwohl es schon nach neunzehn Uhr war, als ich dort ankam, war das Einchecken kein Problem. Der Platz ist sehr gepflegt und es gibt einen kleinen Imbiss. Ich hätte auch einen Platz zum Wildcampen finden können, aber ich war immerhin ca. 130 Km geradelt und wollte eine heiße Dusche.

Der Spessart

Ursprünglich war der Spessart ein Eichenwald, doch im Laufe der Zeit gelang es der Rotbuche, die Eiche fast vollständig zu verdrängen. Dank bewusster Forstwirtschaft ist die Eiche nicht gänzlich aus dem Wald verschwunden. Das von einem Urmeer hinterlassene Mittelgebirge, dessen höchste Erhebung der Geiersberg mit 585 m ist, besteht aus Buntsandstein. Der Main-Radweg verläuft auf über 120 km durch das Spessart-Main-Land. Neben dem Main-Radweg gibt es zahlreiche andere Radwanderwege in und um den Spessart. Beispielsweise der Kahltalspessart Radweg und der Rhönsinntal Radweg, um nur einige zu nennen, sind besonders beliebte Routen. Auch entlang der fränkischen Saale und der Jossa gibt es wunderschöne und gut ausgebaute Radwege.


Am nächsten Morgen machte ich einen kleinen Bummel durch das kleine Städtchen Marktheidenfeld. Ich wollte an die Wern, die bei Karlstadt in den Main mündet. Neben dem Main-Radweg gibt es eine Abkürzung über Urspringen nach Karlstadt, aber ich wollte weiter entlang des Flusses radeln.

Über Gemünden am Main zur Wern

Blick auf Schweinfurt
 Blick auf Schweinfurt

Denn nach der langen gestrigen Etappe über die Berge waren meine Beine noch etwas schwer. Glücklicherweise gibt es bis Karlstadt keine größeren Steigungen. Das Ziel an diesem Tag war Schweinfurt: Aber ohne die große Südschleife über Würzburg nehmen zu müssen. Stattdessen nahm ich die Abkürzung entlang des kleinen Flusses Wern und des Gramschatzer Waldes. Etwa 100 km trennten mich von meinem nächsten Etappenziel. Nun aber zuerst Lohr am Main. Die ersten zwanzig Kilometer des Tages auf dem extrem gut ausgeschilderten Radweg. Sicherlich, man kann sich nicht wirklich verfahren, aber in den Städten ist es manchmal etwas unübersichtlich. Das schöne Städtchen Lohr am Main im Landkreis Main-Spessart bietet durchaus eine märchenhafte Altstadt.

Nach einigen Blicken auf die wunderschönen Fachwerkhäuser machte ich mich wieder auf den Weg. Die Beine hatten sich an die Anstrengung gewöhnt, und als nächstes Ziel stand Gemünden am Main an. Das Wetter war gut, die Sonne schien, und es war schon recht warm. Am späten Vormittag kam ich nach Gemünden. Neben der Freiheit auf dem Rad und dem tollen Wetter wollte ich auch etwas zu Essen aus der Region genießen. In einem Restaurant mit Mittagstisch aß ich einen fränkischen Sauerbraten mit Kartoffelkößen und Krautsalat. Danach füllte ich meine Getränkevorräte auf und fuhr gemütlich den Main entlang.

Die Wern

Die fünfzehn Kilometer bis Karlstadt fielen mir leicht. Es ging zwar mainaufwärts, aber die Steigung war kaum spürbar. Allerdings machten sich die vielen Kilometer durchaus bemerkbar. In Karlstadt machte ich eine längere Pause und trank auf dem Marktplatz eine Tasse Café.

Die Wern

Der einundsiebzig Kilometer langer rechte Nebenfluss des Mains, entspringt bei Poppenhausen und mündet bei Gemünden-Wernfeld in den Main. Der Wern-Radweg ist eine gute Möglichkeit den Main-Radweg von Schweinfurt nach Karlstadt abzukürzen. Anstatt die lange Süd-Schleife über Würzburg zu radeln. Der Radweg ist durchgängig ausgeschildert und größtenteils asphaltiert. Auf Rad- und Wirtschaftswegen führt der Radweg über Arnstein und Werneck nach Schweinfurt. Auf den meisten Abschnitten geht es durch beschauliche Wiesenlandschaften und entlang von Wäldern. Des Weiteren ist die überwiegend verkehrsfreie Streckenführung überaus gut für Familien mit Kindern geeignet.

Meine Beine wurden langsam wieder schwerer, denn die Wern gegen den Strom zu fahren war anstrengend. Bis Arnstein ginge es vor allem die Berge hoch und zwischendurch gab es einige steile Anstiege, die zu einer Kraftprobe führten. Da ich mein Tagespensum fast hinter mir hatte, immerhin fuhr ich an diesem Tag wieder mehr als hundert Kilometer, konnte ich guten Gewissens nach einem Campingplatz Asschau halten. Ich war wieder derart verschwitzt, dass ich nach einer heißen Dusche gierte. Auf Google Maps wurde mir als nächster Platz das Stadtcamping in Schweinfurt angezeigt. Obwohl es schon nach neunzehn Uhr war und die Rezeption eigentlich schon nicht mehr besetzt war, konnte ich ohne Problem einchecken. Nach der heiß ersehnten Dusche im äußerst sauberen Sanitärhaus kroch ich in meinen Schlafsack und schlief alsbald ein.

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