„Nicht viele kennen die Region Franche-Comté, bestehend aus den vier Departements Doubs, Jura, Haute-Saône und Territoire de Belfort. Fährt man doch so oft auf der A7, der Route de Soleil, an der Ausfahrt Besançon vorbei in den Süden. Kaum jemand weiß, was für eine schöne Stadt und Region sich dahinter verbergen…“

Gesamtstrecke: 275.54 km
Gesamtanstieg: 3136 m
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Thann
Thann

Wie bei fast jeder meiner Radtouren startete ich an der Bergstraße. Durch die Rheinebene ging es über Straßburg im Elsass nach Thann in den Vogesen. Für die etwa dreihundert Kilometer lange Strecke war ich drei Tage unterwegs gewesen. Am Abend, nicht weit von der Straße entfernt, fand ich einen Schlafplatz am Waldrand. Geschützt von ein paar Tannen breitete ich auf weichem Moos die Isomatte aus und legte mich in den gemütlichen Schlafsack. Das Zelt hatte ich nicht aufgebaut. Es war eine laue Nacht im Hochsommer und das Wetter versprach weiterhin warme und sonnige Tage.

Von Thann bis Belfort

Radweg bei Thann
Radweg bei Thann

Obwohl ich noch vor dem Sonnenaufgang wach wurde, war ich ausgeschlafen und freute mich auf ein stärkendes Frühstück. Bevor ich losfuhr, ließ ich die herrliche Natur auf mich wirken. Setzte mich an den Straßenrand und hörte dem Singen einer Kohlmeise zu, die auf einem Ast in der Nähe saß. Nach einer Weile packte meine Sachen und radelte ein paar Kilometer bis Thann.

Für den Bäcker war es noch zu früh. Ich radelte langsam die Dorfstraße entlang, die gleich hinter einem steilen Anstieg beginnt. Ein Blick in Richtung Osten enthüllt allmählich hinter dem Morgennebel den Rhein. Im dämmrigen Licht krochen mittelalterlich anmutende Fachwerkhäuser hervor. Eine sehr leise Ortschaft, die sich schnell zu einer einsamen, weitgehend autofreien Route Departementale wandelt. In einem Auf und Ab ging es durch dichte Fichten-Wälder und entlang von tiefen Schluchten hinunter ins Tal.

Belfort – Eine Stadt mit einer wechselhaften Vergangenheit

Kaum sah ich die ersten Umrisse von Belfort, fiel mein Blick unvermittelt auf die alles überragende Festung „La Citadelle“. Im Ausgang des 17. Jahrhunderts nach Plänen des berühmten Festung-Baumeisters Seigneur de Vauban erbaut, umfasst die Anlage mehrere Hektar auf einem Gipfel über der Stadt. Ich radelte unterhalb davon durch eines der alten Stadttore in Belfort ein. Schließlich kam ich zum Marktplatz und fand dort schnell ein geöffnetes Café. Dort bestellte ich, typisch französisch, einen Café au Lait mit zwei frischen Croissants.

Info: EuroVélo 6 - Von Basel bis St Nazaire

Aufgrund des milden Klimas entlang des Doubs, ist es prinzipiell möglich, dort das ganze Jahr über eine Radtour zu machen. Sofern die Hauptreisezeit für eine Tour gewählt wird, also zwischen Juli und August, dann ist mit stark frequentierten Strecken und ausgebuchten Unterkünften zu rechnen. Die Radroute von den Alpen bis zum Atlantik ist mit etwa 1300 Kilometer eine der best ausgebautesten Radstrecken Frankreichs. Einfach und angenehm zu fahren, geht es über den Rhein-Rhône Kanal, die Täler des Doubs, der Saône und der Loire bis an die Bretagne. Der EuroVélo 6 ist eine der zwölf Strecken des EuroVelo-Netzes, das 1994 auf Initiative des europäischen Radfahrerverbands (ECF) ins Leben gerufen wurde. Ein Ausflug auf dieser Strecke ermöglicht neben der Durchquerung einzigartiger Landschaften auch die Erkundung eines unvergleichlichen architektonischen und kulturellen Erbes. Auf fast 4000 Kilometern führt Europas längster Radfernweg Eurovélo 6 reisebegeisterte Radler quer durch zehn Länder. Vom Schwarzen Meer in Rumänien bis zum Atlantik. An der Donau, dem Rhein und der Loire führt er entlang der größten und wildesten Flüße Europas.

Die Zitadelle thront hoch über der Stadt und dominiert die gesamte Ebene, die sich bis hin zum Jura-Gebirge erstreckt. Über dem Wahrzeichen der Stadt, einem aus dem Fels gehauenen Löwen, thront eine Aussichtsplattform. Ein Blick ins Tal reicht bis zu den Schweizer Alpen und weiter östlich zeichnet sich schemenhaft am Horizont der Mont Blanc ab.

Neben einer überdimensionierten französischen Flagge stehend überblickte ich die Stadt und die Ebene und war überwältigt von der Schönheit der Landschaft. Am frühen Vormittag ging es am Canal de la Haute-Saône weiter bis Montbéliard. Ein süßes Städtchen mit etwa 25000 Einwohnern, dessen deutscher Name „Mömpelgard“ lautet.

Kanal in Besançon
Kanal in Besançon

Die kleine pittoreske Altstadt von Belfort fesselte mich bis zum Mittag. Ich fotografierte und freute mich über die tolle Reise. In einem Restaurant unter dem Chateau aß ich zu Mittag. Genussvolles Schlemmen scheint, zumindest im Norden Frankreichs, trotz Paul Bocuse und des Siegeszugs der Nouvelle Cuisine, nach wie vor En Vogue zu sein. Das Boef Bourgingnon und die in Butter angeschmorten Salzkartoffeln schmeckten hervorragend. Dabei war ich noch nicht mal im Burgund, wo der Tafel Gruß auch heute noch bäuerlich deftig: „Bon appetit et large soit“ lautet.

Baume-les-Dames und der Doubs

Baume-les-Dames
Baume-les-Dames

Es war ein warmer Nachmittag und Sonnenstrahlen gaben dem Asphalt eine eigentümliche Helligkeit. Auf den angrenzenden Wiesen suchten, nicht sonderlich scheue Störche und Reiher nach Futter. Ansonsten waren die Wege kaum bevölkert. Ich fragte mich, ob es angesichts der anhaltenden Trockenheit genug Frösche gab. Nun waren ein paar Wolken aufgezogen und ein Regenguss, der leider nicht kam, hätte für eine kleine Abkühlung gesorgt.

Nach einigen Pausen und einem erfrischenden Bad im Doubs kam ich am Abend in die Nähe von Beaumes-les-Dames. Bei Chaux-lès-Clerval, einem der kleinsten Dörfer im Department, legte ich mich in den Schlafsack und schlief unter den letzten Sonnenstrahlen, die gerade hinter dem Fluss verschwanden, auf einer Wiese direkt am Fluß ein.

Info: Der Doubs

Aufgrund der topografischen Gegebenheiten mündet der 453 Kilometer lange Fluss lediglich 90 Kilometer von der Quelle entfernt, bei Verdun-sur-le-Doubs, in die Saône. Aufgrund der topografischen Gegebenheiten mündet der 453 Kilometer lange Fluss lediglich 90 Kilometer von der Quelle entfernt, bei Verdun-sur-le-Doubs, in die Saône. Die Landschaft wechselt auf der gesamten Strecke immer wieder von Flachland und Hochebene, zu wilden und einsamen Tälern und hohen Bergen. Aber es ist nicht nur die Attraktivität der sich ständig verändernden Landschaft, die ein Radtour entlang des Doubs so unvergleichlich macht. Auch die vielen historischen Baudenkmäler auf der gesamten Strecke, von den Unesco Weltkulturstätten Belfort und Besançon bis zu den königlichen Salinen von Arc-et-Senans und dem mächtigen Schloss Joux entdecken Sie hier nahezu an jeder Flusskehre ein Stück französisch-deutscher Geschichte.

Auf dem Eurovelo 6

Nun war ich also auf dem Euorvelo 6 und freute mich auf die abwechslungsreiche Strecke, die sich vermeintlich unaufhörlich zwischen hügeligen Wäldern und Felsen hindurchschlängelt. Von früheren Touren wusste ich von der spektakulären Wildheit und Vielfältigkeit des Euro Velo. Historische Städte und dazwischen imposante Industriedenkmäler, die von vergangenen arbeitsreichen Tagen zeugen, machen die Strecke zu einem Lehrstück französischer Geschichte. Beispielsweise finden sich hier historische Sägewerke aus dem 19. Jh, die Holzwirtschaft war ein wichtiger Industriezweig. Immerhin sind zwei Fünftel der Region bewaldet. Außerdem gibt es zu Ruinen verfallene ehemalige Eisenerz-Gießereien, die das Erz aus Minen in den nahe gelegenen Vogesen und dem Jura-Gebirge bezogen haben.

Im „Bon Pays“ wie die Region auch genannt wird, ist der Frühsommer die beste Reisezeit. Es gibt viele regenfreie Tage und es sind nur wenige Touristen vor Ort. Mit einer fast 1300 Kilometer langen ausgebauten Strecke ist der EuroVelo 6 eine der einfachsten und angenehmsten Radrouten in Frankreich.

Metzeral in den Vogesen
Metzeral in den Vogesen

Über den Rhein-Rhône-Kanal und die Täler des Doubs, der Saône und der Loire, dem letzten wilden Fluss Europas, verbindet der EuroVelo 6 das Elsass mit der Normandie. Über Hyèvre-Paroisse kam ich unter strahlendem blauem Himmel noch am Vormittag nach Baumes-les-Dames. Der Radweg ist asphaltiert und einfach zu fahren. Das ist gut so, denn die atemberaubende Landschaft zog mich derart in ihren Bann, dass mein Blick mehr auf sie, als auf die Straße gerichtet war.

Besançon

Quai Vauban in Besançon
Quai Vauban in Besançon

Da ich am Vortag faul gewesen war, in der Nacht aber gut geschlafen hatte, wollte ich es wenigstens bis St. Vit schaffen. Trotz der hundert Kilometer, die vor mir lagen, plante ich eine zweistündige Besichtigung für Besançon ein. Der Radweg war nach wie vor sehr gut zu fahren und ich war kaum aus der Puste, als ich am Nachmittag dort ankam.

Besançon ist der Hauptort des Franche-Comté und die Geburtsstadt von Victor Hugo. Die Bourgogne und das Franche-Comté vereinigen sich hier zur fünftgrößten Region Frankreichs. Bourgogne-Franche-Comté entstand 2016 mit Dijon als Hauptstadt. Besançon, 2008 von der Unesco als Weltkulturerbe ausgezeichnet, ist durch die Universität, die eine der Berühmtesten des Landes ist, eine junge Stadt. Über dreißig-tausend Studenten machen Besançon zur jüngsten Stadt Frankreichs. Die beeindruckende fünfseitige Altstadt erstreckt sich zwischen der Zitadelle und des Doubs.

Die Altstadt entdecken

Angesichts der vielen schönen und geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten dürfte es Ihnen in Besançon jedenfalls kaum langweilig werden. Um die Stadterkundung nicht zur Stresstour werden zu lassen, sollten Sie zwischendurch unbedingt einen der prachtvollen Parks aufsuchen, oder sich in einem der vielen kleinen Cafés in der Altstadt entspannen. Herrenhäuser mit beeindruckenden Fassaden, dazu geheimnisvolle Innenhöfe entlang der dichtgedrängten Fachwerkhäuser gibt es zu entdecken. Beginnen Sie den Spaziergang auf der Seite der Battant-Brücke. Dort haben Sie einen schönen Blick auf den Quai Vauban und seine Arkadenhäuser aus dem 17. Jahrhundert.

Saint-Vit: Ein Sturz und eine verletzte Schulter

See bei St-Vit
See bei St-Vit

Nach einer Stadtwanderung ging es weiter und nahm ich ein weiteres Bad im Doubs. Die Sonne brannte nach wie vor. Glücklicherweise gab es beim Badeplatz einige Birken und Weiden, die mir Schatten gaben. Ich lehnte das Rad an einen der dicken Stämme, zog meine Sachen aus und sprang in den Fluß.

Dabei rutschte ich aus und schlitterte über das Ufer in den Doubs. Der Sturz war nicht hart, aber dennoch schmerzte die rechte Schulter sehr. Auf diesen Schreck suchte ich mir einen Schlafplatz und hoffte darauf, dass der Schmerz über Nacht abklingen würde. Von früheren Verletzungen ist mir noch in Erinnerung geblieben, dass es lange dauern kann, bis Schmerzen in der Schulter abklingen. Die Nacht war alles andere als erholsam. Ich konnte lediglich auf dem Rücken liegen.

Ein Essen in Dole

Chalon-sur-Saone
Chalon-sur-Saone

Dennoch hatte ich mich so weit erholt, dass ich am nächsten Morgen weiterfahren konnte. Am späten Vormittag kam ich nach Dole. Noch hatte ich Schmerzen, aber nicht mehr so stark wie am Vortag. Für die fünfzig Kilometer bis Chalon-sur-Saône ließ ich es langsam angehen. Die Strecke ist familienfreundlich und es gibt zahlreiche Rastmöglichkeiten, die Brasserien und kleinen Restaurants bieten neben a la Carte-Speisen auch Menüs an. Diese sind preiswerter und beinhalten eine Vorspeise, ein Hauptgericht, Käse oder Nachtisch. In Dole bekam ich zum Menü einen kostenlosen Kaffee.

…Und schließlich Chalon-sur-Saône

Die Strecke bis Chalon ist ebenso spektakulär und reizvoll und der Radweg führt meist durch die Natur, fast immer am Fluss entlang. Vor allem die Doubs-Mündung bei Verdun-sur-le-Doubs ist sehenswert. Kurz vor Chalon-sur-Saône fand ich einen Schlafplatz in einem Wäldchen nicht weit vom Fluss entfernt.

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