Von Bischofsgrün bis Ústí nad Labem

Gesamtstrecke: 283.24 km
Gesamtanstieg: 4058 m
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Grenze Tschechien
Grenze Tschechien

Es war ein herrlicher Sommer-Morgen und die Sonne gerade aufgegangen. Über dem kleinen Bergsee im Fichtelgebirge waberten leichte Nebelschwaden und nach einem letzten Blick auf das Wasser suchte ich mir einen Weg durch den Wald hinunter ins Tal. Auf einem beschilderten Waldweg kam ich nach Marktredwitz. Und von dort folgte ich dem Wallenstein-Radwanderweg, der hier seinen Ausgangspunkt hat. Er führt entlang der noch jungen Eger bis Cheb in Tschechien.

Cheb - Marienbad
Cheb – Marienbad

Der Radweg schlängelt sich, fein geschottert, teils durch dichte Nadelwälder und teils entlang offener Wiesen ins Tal. Die Beschilderung ist durchgehend gut und die Abschnitte entlang von Autostraßen kurz. Am frühen Vormittag kam ich nach Arzberg.

Am Marktplatz des kleinen Ortes ging ich in eine Bäckerei und während ich auf einen Kaffee wartete, klagte die Verkäuferin über den verregneten Sommer und erzählte von einem neuen massiven Tiefdruckgebiet, das sich von Osten her auf den Weg gemacht hatte. Noch war es warm und kaum eine Wolke verdunkelte den Himmel.

Schneeberg Fichtelgebirge
Schneeberg Fichtelgebirge

Ich dachte an die Worte der Frau und freute mich, dass ich Glück mit dem Wetter hatte, denn bisher war ich von Regen verschont geblieben. Ein etwa zehn Kilometer breiter und naturbelassener Mischwald mit alten mächtigen Eichen und breiten Trauer-Weiden erstreckt sich bis hin zur Grenze. Die genaue Grenzlinie ist mit einem vielleicht halben Meter großen Stein, auf dem der EU Schriftzug prangt, gekennzeichnet. Die Beschilderung in Tschechien ist in Gelb gehalten und direkt nach der Grenze schließt sich ein landwirtschaftlich genutzter Landstrich an.

Cheb

Am Mittag radelte ich über die Stadtgrenze von Cheb. Das kleine und lebendige Städtchen, dessen alter Name Eger ist, beherbergt im Zentrum der bunten und fein restaurierten Altstadt, die zum großen Teil unter Denkmalschutz steht, eine von Kaiser Barbarossa gegründete Kaiserpfalz. Die Innenstadt war überfüllt mit Touristen, die rege die pittoresken Fassaden der zahlreichen klassizistischen Villen fotografierten oder sich in einem der kleinen Cafés ausruhten, die sich entlang der breiten mit Kopfstein gepflasterten Plätze aneinander reihen.

Die sich der Altstadt anschließenden Vororte stehen in krassem Gegensatz zur märchenhaften Schönheit von Egers Altstadt. Triste Betonblöcke und mit Schlaglöchern übersäte Ausfallstraßen begleiteten mich hinaus zu einem nagelneuen und hervorragend beschilderten Radweg in Richtung Karlovy Vary. Das berühmte Karlsbad, das erst vor einigen Jahren durch eine Kurzgeschichte von Judith Hermann eine besondere Bedeutung für mich bekam, ist seither ganz oben auf meiner Must-Visit-Liste.

Info: Wasserwanderweg Eger/Ohře

Die Karlsbader Region ist auch bei Kanuten und Kajak-Fahrern ein beliebtes Ziel. Bereits seit dem Jahr 2006 existiert der Wasserwanderweg Eger. Mit zahlreichen Stromschnellen und einer atemberaubenden Natur bietet er ideale Bedingungen für Wassersportfreunde und Naturliebhaber. Die Eger ist 235 Km lang und führt von Cheb über Perštejn und mündet bei Nechranice in die Elbe..

Zwischen Cheb und Karlsbad entwickelt sich die Eger zu einem ansehnlichen Fluss, der zahlreich von Anglern und Wassersportlern genutzt wird. Er durchfließt entlang der Ausläufer des Erzgebirges ein sehr felsiges Gebiet und sucht sich, mal gemächlich, mal mit starken Stromschnellen, seinen Weg bis Karlsbad

Karlsbad

Schon Alexander von Humboldt war von der außergewöhnlichen Schönheit Karlovy Varys fasziniert: “Karlsbad ist ein Brillant in einer Smargdfassung” – So beschrieb er die Kurstadt, die sich elegant in das flache Egertal einfügt. Insbesondere das prunkvolle Kurzentrum mit seinen verschwenderischen Prachtbauten der Belle Époque zieht jährlich hunderttausende staunender Besucher aus aller Welt an. Am späten Nachmittag kam ich also nach Karlsbad. Der Himmel war immer noch tiefblau gefärbt und die Sonne stand hoch über dem fernen Fichtelgebirge.

Karlovy Vary ist besonders unter Russen ein Begriff. Schon zu Zeiten, in denen der Adel noch das Sagen hatte, machten sich die Reichen und Schönen auf den Weg nach Böhmen. Auch heute kommen die meisten Kurgäste aus Russland. Es gibt Direktflüge von Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg. Aber auch Könige, Prinzen und Staatsleute aus aller Welt haben sich in die Gästeliste der Stadt eingetragen. Die Beliebtheit von Karlsbad ist wohl von keinem anderen Kurort in der Welt übertroffen. Obwohl eine Legende die Gründung von Karlsbad ins 14. Jahrhundert legt, sind erste Siedlungen schon in der Bronzezeit nachgewiesen. Durch Kaiser Karl IV., der sich an den damals schon bekannten Heilquellen von seinen Regierungsgeschäften erholte, wurde der Ort auch über die Grenzen hinweg bekannt. Bereits im 15. Jhd. kamen die ersten Kurgäste aus verschiedenen europäischen Adelshäusern nach Karlsbad.

…Zelten an der Eger

Nach einer kurzen Stadt-Erkundung, fuhr ich am späten Nachmittag weiter an der Eger entlang und erreichte nach wenigen Kilometern einen Campingplatz. Etwas abseits der Zeltwiese, auf einem kleinen betonierten Platz neben einer aus grobem Holz gezimmerten Hütte, saßen ein Dutzend junger Leute bei einem Bier zusammen. Am Ufer dümpelten Ruderboote und zwei Frauen zogen ein Kanu aufs Gras. In der Hütte wurde Bier ausgeschenkt und dort bezahlte ich auch die Gebühr für den Zeltplatz. Mit einem Glas in der Hand mischte ich mich unter die Leute und nach einem kleinen obligatorischen Exkurs über die Besonderheiten des Tschechischen Bieres, erfuhr ich, dass sich hier eines der beliebtesten Trainings-Gebiete des Tschechischen Kajak- und Kanu Verbandes befindet.

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Schwere Regentropfen prasselten auf das Zelt und starker Wind drückte die Nylon-Wände zusammen. Schlaftrunken öffnete ich den Reißverschluss der Apsis und schaute durch den Morgennebel auf die dichten, schwarzen Wolken, die sich wie eine Betonwand am Horizont auftürmten. Da war sie also, die vorhergesagte Schlechtwetterfront. Während ich die mächtigen Wolken betrachtete, ahnte ich schon, dass sie mich noch längere Zeit auf meiner Reise begleiten würden. Ich fühlte mich ausgeschlafen und ohne den üblichen Morgenkaffee packte ich meine Sachen. Das tiefe Schnarchen meiner Zelt-Nachbarn übertönte beinah das plätschernde Rauschen des nahe gelegenen Flusses.

Obwohl es nach wie vor Bindfäden regnete, packte ich das Zelt zusammen und radelte weiter die Eger entlang. Schon nach 100 Metern war ich völlig durchnässt. Was nicht weiter schlimm war, denn es war nicht sehr kalt. Bald klarte es etwas auf und die Sonne zeigte sich manchmal hinter den Wolken. Dennoch regnete es durchgängig bis zum Mittag. Kurz nach Klášterec nad Ohří, auf Deutsch Klösterle an der Eger verwandelte sich der eben noch nagelneu angelegte Radweg plötzlich in einen von schweren Traktor-Reifen zerfurchten Feldweg, der zudem vom Regen völlig aufgeweicht war.

Komotau

Unterdessen ich das Rad mehr geschoben denn gefahren hatte, mündete der Feldweg auf auf eine Höhenstraße, die in einem ständigen Auf und Ab bis Komotau führt. Entlang der südlichen Ausläufer des Erzgebirges erstrecken sich zwischen den weiten Hügeln stark zerklüftete Schluchten. Der Ausblick in die Täler ist atemberaubend.

Komotau, oder Chomutov auf tschechich, liegt auf halber Strecke zwischen Karlsbad und Ústí nad Labem. Die etwa 50.000 Einwohner zählenden Stadt ist das Industriezentrum des an Stein- und Braunkohlelagerstätten reichen südlichen Erzgebirges. Indessen die Umgebung von Chomutov wenig attraktiv ist, wartet die Stadt mit einem schmucken alten Zentrum auf. Der Marktplatz ist von hübschen Laubenhäusern umgeben. Der Vorgängerbau des Rathauses war die Burg des Deutschordens, der in Komutau von 1252 bis 1411 einen Bezirkssitz unterhielt. Die gotische Kirche St.Katharina bildet mit dem Rathaus eine architektonische Einheit und die Chomutovka fliest dazwischen leicht mäandernd in Richtung der Eger, die weiter im Süden zur Elbe hin fließt.

Zwischen Komutau und Ústí nad Labem gibt es keinen Radweg. Lediglich eine vierspurige Schnellstraße über Teplitz-Schönau verbindet die beiden Städte. Glücklicherweise gibt es einen breiten Seitenstreifen, auf dem ich fast bis Ústí nad Labem radelte. Auf dem Weg begegneten mir mehrere Polizeifahrzeuge, die Polizisten beäugten mich zwar skeptisch, ließen mich aber in Ruhe weiterradeln. Am späten Abend kam ich nach dann nach Ústí nad Labem. An der Elbe, einige Kilometer südlich, gibt es einen Campingplatz. Obwohl es schon dunkel wurde, war die Rezeption noch besetzt. Ich schlug schnell mein Zelt auf und war dann auch bald eingeschlafen.

Ústí nad Labem

Abgesehen von einigen Baudenkmälern ist Usti nad Labem keine schöne Stadt und dennoch lohnt sich ein Besuch. Sie eignet sich als idealer Ausgangspunkt zum Erkunden des herrlichen Elb-Tals, das sich bis zur Grenze erstreckt.

Ústí nad Labem
Ústí nad Labem

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