Durch das Elsass bis Strasburg

Gesamtstrecke: 89.29 km
Gesamtanstieg: 786 m
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Rheinaufwärts dominieren auf deutscher Seite ärgerlicherweise lange monotone Schotterstraßen. Hauptsächlich zwischen Karlsruhe und Rastatt ist die Landschaft zudem industriell geprägt. Währenddessen ist es auf der französischen Seite abwechslungsreich und die Radwege sind besser. Über breite Deiche, entlang von Rheinauen und durch herrliche Au-Wälder führt der Haupt-Radweg über Hagenau bis nach Straßburg. Deshalb radle ich viel lieber auf der französischen Seite. Außerdem bietet das Elsass mittlerweile erstaunlich viel für den Rad-Verliebten. Mittlerweile gibt es zwischen Lauterburg und Mulhouse mehr als 2500 Km gut beschilderte und ausgebaute Radwege. Mit dem EuroVelo 15, der sich längs des Rheins von Andermatt bis Rotterdam erstreckt, kreuzt sich der EuroVelo 5, und der EuroVelo 6 im Elsass. Also drei der bekanntesten Radfernwege Europas.


Der Rhein im Elsaß

Auf Druck von Umweltschützern, die in Frankreich sehr aktiv sind, blieben die typischen Rhein-Auwälder und Feuchtgebiete erhalten. Insbesondere der Abschnitt zwischen Lauterburg und Straßburg überrascht mit einer außergewöhnlichen Fauna und Flora. Hier bietet sich ein idealer Lebensraum für seltene und vom aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen. Obwohl der Rhein weitgehend begradigt ist, können Sie in den Altarmen des Rheins Biber und Fischotter beobachten.

La Wantzenau
La Wantzenau

La Wantzenau

Bei Gambsheim ändert sich das von Landwirtschaft und Schutzdämmen geprägte Strecken-Profil. Es folgt ein Abschnitt der historischen Maginot-Linie. Gut zu fahrende verkehrsarme Wege durchqueren weitläufige Wälder und die Städtchen La Wantzenau und Schiltigheim. In Straßbourg beginnt der Ill-Radweg. La Wantzenau, direkt an der Ill gelegen, überrascht mit zahlreichen Fachwerkhäusern und historischen Weinwirtschaften.

Edelzwicker und Choucroute

In einer sogenannten „Winstub“ genoss ich zum Choucroute einen Edelzwicker direkt vom Winzer. Spätestens seit Roger Siffers Ausspruch: „In Deutschland gibt es viel, aber es ist nicht sehr gut, in Frankreich schmeckt es vorzüglich, aber die Portionen sind klein. Im Elsass hingegen, dort schmeckt es gut, und die Gerichte sind reichlich bemessen“, zieht es die Freunde guten Essens eher zum linken Rhein-Ufer. Es waren noch einige Kilometer bis Strasbourg. Bevor ich jedoch in die von Blechlawinen und Touristen-Scharen bevölkerte Innenstadt radelte, ging es durch einen Park und eine ruhige Villengegend. Nun aber wollte ich auf dem schnellsten Weg zum Ill-Radweg. Ich fand keinen beschilderten Weg. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich auf Google Maps zu verlassen.

Restaurant La Wantzenau
Restaurant La Wantzenau

Am Ill Radweg

Nicht weit von der Kathedrale entfernt, landete ich zwischen einer Schar japanischer Touristen. Musste absteigen und quälte mich durch das Gewühl. An einer Kreuzung sprach mich glücklicherweise ein einheimischer Radfahrer an und begleitete mich ins südliche Strasbourg bis zum Ill-Radweg. Unterdessen redeten wir über den Boom der E-Bikes. Neben der technischen Fachsimpelei ging es auch um die Preise. Fahrräder sind in Frankreich prinzipiell teuer. Deswegen unterstützt die französische Regierung die Kaufwilligen mit einem Zuschuss von bis zu 200 Euro. Die gibt es allerdings nur für Pedelecs und E-Bikes. Tatsächlich waren viele Radfahrer unterwegs, aber diejenigen mit E-Antrieb waren deutlich in der Mehrzahl. Nach dem Stadtteil La Petite France beginnt auch schon der Ill Radweg. Über Montagne-Verte ging es über Illkirch-Graffenstaden, Benfeld und Ebersmunster nach Sélestat. Die Kleinstadt, auf Elsässisch Schlettstàdt genannt, beherbergt etwa zwanzigtausend Einwohner und wechselte in den vergangenen zweihundert Jahren zwei Mal die Nationalität.

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