Zweiter Teil von Chalon-sur-Saône bis Montélimar


Die Karte - Bis Montémilar


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Meiner Schulter ging es besser und ich freute mich auf Chalon sur Saône. Kochte Kaffee und aß das letzte Stückchen Baguette. Doch bevor ich losradeln konnte, musste ich das Vorderrad flicken. Ein kleiner Nagel hatte den Mantel durchstochen. „Ok“, dachte ich, „sogar der Schwalbe-Marathon-Plus mit Kevlareinlage ist verwundbar“. Na ja, das Problem war schnell gelöst, dann ging es endlich in die Stadt.

Chalon sur Saone
Chalon sur Saone

Ursprünglich war von der Stadtverwaltung ein autofreier Sonntag geplant, aber eine Menge Leute hatten die Gunst der Stunde genutzt. Sie nahmen die Straßen der Stadt für Party und Spektakel das gesamte Wochenende in Beschlag. Zudem waren viele Künstler gekommen, die sich für das, im Juli stattfindende Theaterfestival Chalon Dans La Rue, vorbereiteten. Die Straßen waren voller improvisierender Künstler, feiernder Menschen und dazu überall Musik. Das ausgelassene bunte Treiben lies mich die Zeit vergessen. Aber kein Licht ohne Schatten. Gute Laune macht übermütig. An einer Ecke, wo die Musik besonders laut spielte, gab es einen Streit zwischen mehreren Gästen. Eine junge zierliche Bedienung versuchte schlichtend einzugreifen. Sie wollte gerade das Tablett, das voll mit leeren Gläsern war, auf einem der Tische abstellen, um sich daraufhin zwischen die Streitenden zu zwängen. Plötzlich stürzte ein Mann gegen sie, der einen Schlag abbekommen hatte. In einem fürchterlichen Krach gingen die beiden zu Boden. Andere, eben noch ausgelassen feiernde Gäste, griffen ein und kümmerten sich um die gestürzte Frau.

Das Burgund
Das Burgund, auf Französisch Bourgogne, ist eine Region im Zentrum von Frankreich. Das Gebiet umfasst die Départements Côte-d’Or, Nièvre, Saône-et-Loire und Yonne und blickt auf eine jahrhundertelange Tradition kultureller Zusammengehörigkeit. Burgund ging zum 1. Januar 2016 in der neu geschaffenen Region Bourgogne-Franche-Comté auf. Seit der Zeit der Völkerwanderung war die Region Burgund, die oft im Zusammenhang mit dem Stamm der Burgunder genannt wird, Schauplatz bedeutender historischer Entwicklungen. Das Kerngebiet in der Saônesenke entspricht weitgehend dem bis zur Französischen Revolution bestehenden Herzogtum Burgund.

…Tournus und Mâcon

Lyon - Rhone
Lyon – Rhone

Es gibt zwei Möglichkeiten, um nach Tournus zu kommen. Zum einen führt ein ehemaliger Treidelpfad an der Saône entlang. Der Weg ist aber nicht durchgängig gut befahrbar. Zum anderen gibt es den Voie Verte von Chalon-sur-Sâone nach Cormatin. Wolken waren aufzogen, bald würde es regnen. Es war noch nicht Mittag und ich dachte daran, noch einen Tag in Chalon sur Saône zu bleiben. Aber es kribbelte mir in den Beinen und so fuhr ich zum Voie Verte. Der Radweg zieht sich nach Süden durch die Landschaft des Burgund, und erreicht in einem Bogen die Stadt Mâcon. Die 77 Kilometer lange Strecke war schön zu fahren, und das Wetter wurde auch besser. Nach einiger Zeit kam ich zum Tunnel du Bois Clair, der mit 1,6 Kilometern einer der längsten Fahrradtunnel Frankreichs ist. Auf der Höhe von Tournus steuerte ich einen der vielfach vorhandenen Rastplätze an, aß etwas Baguette mit Camembert belegt und nach einem Kaffee machte ich mich wieder auf den Weg.

Camping Municipale Mâcon

Am frühen Nachmittag, ich war bereits kurz vor Mâcon, ging auf den Camping Municipal de Mâcon. Ich sehnte mich nach einer heißen Dusche, denn in den vergangenen Tagen badete ich ausschließlich in der Doubs und der Saône. Das war auch schön, aber hin und wieder unter einer heißen Dusche zu stehen ist unbezahlbar. Der Platz befindet sich neben einem weitläufigen Park und ganz in der Nähe der Saône.

Die Plätze in Frankreich sind in der Regel sehr günstig und gut gepflegt. Vor allem, die kommunal geführten sind besonders zu empfehlen. Der Platz in Mâcon hat sehr große Parzellen, die im Frühsommer kaum belegt waren. Es war sehr ruhig und die Pächter, die auch ein kleines Lokal unterhalten, waren sehr freundlich und gesellig. Am Abend tranken wir ein Bier zusammen.

Mâcon

Macon Collage
Macon Collage

Mit etwa 33.000 Einwohnern ist Mâcon nicht sehr groß, aber es gibt dennoch viel zu bestaunen. Die sehr sehenswerte Altstadt oder die lange Promenade an der Saône fand ich besonders reizvoll. Ich war früh am Morgen wach geworden und nach dem obligarorischen Kaffee packte ich meine Sachen und fuhr in die Stadt. Nach einem kleinen Rundgang füllte ich in einem der Supermärkte meine Vorräte auf und machte mich dann auf den Weg nach Lyon. Einen längeren Aufenthalt wollte ich mir nicht erlauben, da ich an diesem Tag unbedingt bis nach Vienne radeln wollte.

Von Mâcon bis Vienne

Lyon
Lyon

Bei La Mulatière radelte ich zunächst über windige Kopfsteinplasterstrassen und freute mich auf die Saône Mündung. In den Vororten von Lyon gab es keinen wirklichen Radweg, so blieb mir nichts anderes übrig, als auf der Straße zu fahren. Wie bei einer so großen Stadt wie Lyon zu erwarten, war der Verkehr furchtbar. Nach der Saône Mündung führt dann ein Radweg rechts der Rhône, etwas abseits des Trubels, nach Süden.

Hier stieß ich auf den Rhône-Radweg, den Eurovelo 17. In Lyon ist er bereits gut ausgebaut, aber es gibt dennoch viele Lücken. Kurz nach dem Zentrum, weiter im Süden, gibt es keine Beschilderung mehr und es bleibt nur die Straße. Aber je weiter ich Lyon hinter mir ließ, desto ruhiger wurde es. Obwohl es keinen Radweg bis Vienne gibt, war die Strecke ganz gut zu fahren. Der Verkehr verlagert sich mehr auf die Autobahn und auf kleinen Routes Departementale radelte ich bis Vienne. Dort kam ich am späten Abend an. Einige Kilometer vor Vienne, in einem Pinienwäldchen suchte ich mir ein Plätzchen für die Nacht. Ab Lyon änderte sich das Klima schlagartig. Es wurde sonniger und auch ein paar Grad wärmer. Unter einem Baum rollte ich meinen Schlafsack aus und schlief bald ein.

Von Vienne bis Montélimar

Rhone bei Vienne
Rhone bei Vienne

Die Strecke nach Montélimar führte über das schöne Valence. Dort und in Vienne nahm ich mir etwas Zeit zum Fotografieren. Allerdings wollte ich so schnell wie möglich die 120 Kilometer lange Strecke hinter mich bringen. Immerhin hatte ich schon viele Kilometer in den Beinen und kam nur noch mit einer wesentlich geringeren Durchschnittsgeschwindigkeit voran. Merkwürdigerweise taten mir zwar die Beine, aber nicht der Hintern weh. Ich schaffte es nicht mehr bis Montélimar. Etwa zwanzig Kilometer vor der Stadt baute ich auf einem Stückchen Rasen an der Rhône das Zelt auf. Es waren Wolken aufgezogen.

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