• Dieser Beitrag ist ein Dauerwerbeartikel

Erster Teil von Thann bis Chalon-sur-Saône

Die Karte - Bis Chalon-sur-Saône
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Wie bei fast jeder meiner Radtouren startete ich in Weinheim an der Bergstraße. Über Strasbourg im Elsass radelte ich nach Thann in den Vogesen. Für die etwa dreihundert Kilometer lange Strecke war ich drei Tage unterwegs. Am Abend, nicht weit vom Radweg entfernt, fand ich einen Schlafplatz am Waldrand. Geschützt von ein paar Tannen breitete ich auf weichem Moos die Isomatte aus und legte mich in meinen gemütlichen Schlafsack. Das Zelt hatte ich nicht aufgebaut. Es war eine laue Nacht im Hochsommer und das Wetter versprach weiterhin warme und sonnige Tage.

Die Tour - Von Thann bis Chalon-sur-Saône

„Nicht viele kennen die Region Franche-Comté, bestehend aus den vier Departements Doubs, Jura, Haute-Saône und Territoire de Belfort. Fährt man doch so oft auf der A7, der Route de Soleil, an der Ausfahrt Besançon vorbei in den Süden. Kaum jemand weiß, was für eine schöne Stadt und Region sich dahinter verbergen…“,

Von Thann bis Belfort

Stadt Belfort
Stadt Belfort

Obwohl ich noch vor dem Sonnenaufgang wach wurde, war ich ausgeschlafen und freute mich auf ein stärkendes Frühstück. Bevor ich losfuhr, ließ ich die herrliche Natur auf mich wirken, setzte  mich an den Straßenrand und hörte dem Singen einer Kohlmeise zu, die auf einem Ast in der Nähe saß. Packte dann meine Sachen und radelte etwa zwei Kilometer bis Thann. Für den Bäcker war es zu früh und nachdem ich mir das Dorf angeschaut hatte, fuhr ich auf einer Route Departementale, die sich als ein fast autofreies und durch herrlichste Natur führendes kleines Sträßchen entpuppte. Bis Belfort radelte ich in einem Auf und Ab durch dichte Fichtenwälder, entlang von tiefen Schluchten und sich ins Tal windenden Bächen.

Kaum sah ich die ersten Umrisse der Stadt, fiel mein Blick unvermittelt auf die alles überragende Festung „La Citadelle de Belfort“. Nach Plänen des berühmten Festungsbaumeisters Seigneur de Vauban wurde im Ausgang des 17. Jahrhunderts die uneinnehmbare, mehrere Hektar umfassende Anlage gebaut. Unterhalb des Forts fuhr ich durch eines der Stadttore in die Belfort ein. Kaum erreichte ich den Marktplatz, fand ich schnell ein geöffnetes Café und nahm, typisch französisch, einen Café au Lait mit zwei frischen Croissants.

Belfort – Eine Stadt mit einer wechselhaften Vergangenheit

Belfort Zitadelle
Belfort Zitadelle

Die Zitadelle thront hoch über der Stadt und dominiert die gesamte Ebene bis hin zum Jura-Gebirge, hinter dem sich schemenhaft die mächtigen französischen Alpen abzeichneten. Highlight an diesem Morgen war der Blick von einer Aussichtsplattform, die über dem Wahrzeichen der Stadt, einem aus dem Fels gehauenen Löwen thronte. Neben einer in die Höhe ragenden überdimensionierten französischen Flagge stehend überblickte die Stadt und die Ebene. War überwältigt von der Schönheit der Landschaft.  Am frühen Vormittag ging es am Canal de la Haute-Saône weiter bis Montbéliard. Ein süßes Städtchen mit etwa 25000 Einwohnern, dessen deutscher Name „Mömpelgard“ lautet.

Die kleine pittoreske Altstadt fesselte mich bis zum Mittag. Ich fotografierte und freute mich über die tolle Reise. In einem Restaurant unter dem Chateau aß ich zu Mittag. Genussvolles Schlemmen scheint, zumindest im Norden Frankreichs, trotz Paul Bocuse und des Siegeszugs der Nouvelle Cuisine, nach wie vor en vogue zu sein. Das Boef Bourgingnon und die in Butter angeschmorten Salzkartoffeln schmeckten hervorragend. Dabei war ich noch nicht mal im Burgund, wo der Tafelgruß auch heute noch bäuerlich deftig: „Bon appetit et large soit“ lautet. 

EuroVélo 6 - Von Basel bis St Nazaire

Aufgrund des milden Klimas entlang des französischen Abschnitts, ist es prinzipiell möglich, dort das ganze Jahr über eine Radtour zu machen. Sofern die Hauptreisezeit für eine Tour gewählt wird, also zwischen Juli und August, dann ist mit stark frequentierten Strecken und ausgebuchten Unterkünften zu rechnen. Die Radroute von den Alpen bis zum Atlantik ist mit etwa 1300 Kilometer eine der best ausgebautesten Radstrecken Frankreichs. Einfach und angenehm zu fahren, geht es über den Rhein-Rhône Kanal, die Täler des Doubs, der Saône und der Loire bis an die Bretagne. Der EuroVélo 6 ist eine der zwölf Strecken des EuroVelo-Netzes, das 1994 auf Initiative des europäischen Radfahrerverbands (ECF) ins Leben gerufen wurde. Ein Ausflug auf dieser Strecke ermöglicht neben der Durchquerung einzigartiger Landschaften auch die Erkundung eines unvergleichlichen architektonischen und kulturellen Erbes. Auf fast 4000 Kilometern führt Europas längster Radfernweg Eurovélo 6 reisebegeisterte Radler quer durch zehn Länder. Vom Schwarzen Meer in Rumänien bis zum Atlantik. An der Donau, dem Rhein und der Loire führt er entlang der größten und wildesten Flüße Europas.

Baume-les-Dames und der Doubs

Am frühen Nachmittag radelte ich entlang des Doubs weiter in Richtung Baume-les-Dames. Auf der Strecke begegnete ich lediglich einigen Störchen und Reihern, die nicht sonderlich scheu, auf den Wiesen entlang des Weges, nach Futter suchten. Allerdings fragte ich mich, ob es angesichts der anhaltenden Trockenheit auch genug Frösche als Futter gab. Wahrscheinlich hatten sich selbst die Regenwürmer zum Schutz vor der Hitze in tiefere Erd-Schichten gegraben. Es waren  nun doch ein paar Wolken aufgezogen und ein Regenguss, der leider nicht kam, hätte für eine kleine Abkühlung gesorgt. 

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Nach einigen Pausen und einem erfrischenden Bad im Doubs kam ich am Abend in die Nähe von Beaumes-les-Dames. Bei Chaux-lès-Clerval, einem der kleinsten Dörfer des Departments, auf einer Wiese direkt am Doubs, legte ich mich in den Schlafsack und schlief unter den letzten Sonnenstrahlen, die gerade hinter dem Fluss verschwanden, ein.

Auf dem Eurovelo 6

Belfort Festung
 Belfort Festung

Nun war ich also auf dem Euorvelo 6 und freute mich sehr auf die abwechslungsreiche Strecke, die sich vermeintlich unaufhörlich zwischen hügeligen Wäldern und Felsen hindurchschlängelt. Von früheren Touren wusste ich von der spektakulären Wildheit und Vielfältigkeit des Euro Velo. Historische Städte und dazwischen imposante Industriedenkmäler, die von vergangenen arbeitsreichen Tagen zeugen, machen die Strecke zu einem Lehrstück französischer Geschichte. Beispielsweise finden sich hier historische Sägewerke aus dem 19. Jh., denn die Holzwirtschaft war ein wichtiger Industriezweig. Immerhin sind zwei Fünftel der Region bewaldet. Außerdem gibt es auch zu Ruinen verfallene ehemalige Eisenerz-Gießereien, die das Erz aus Minen in den nahegelegenen Vogesen und dem Jura bezogen haben.

Im „Bon Pays“ wie die Region auch genannt wird, ist der Frühsommer die beste Reisezeit. Es gibt viele regenfreie Tage und es sind nur wenige Touristen vor Ort. Mit einer fast 1300 Kilometer langen ausgebauten Strecke ist der EuroVelo 6 eine der einfachsten und angenehmsten Radrouten in Frankreich.

Der Doubs

Aufgrund der topografischen Gegebenheiten mündet der 453 Kilometer lange Fluss lediglich 90 Kilometer von der Quelle entfernt, bei Verdun-sur-le-Doubs, in die Saône. Aufgrund der topografischen Gegebenheiten mündet der 453 Kilometer lange Fluss lediglich 90 Kilometer von der Quelle entfernt, bei Verdun-sur-le-Doubs, in die Saône. Die Landschaft wechselt auf der gesamten Strecke immer wieder von Flachland und Hochebene, zu wilden und einsamen Tälern und hohen Bergen. Aber es ist nicht nur die Attraktivität der sich ständig verändernden Landschaft, die ein Radtour entlang des Doubs so unvergleichlich macht. Auch die vielen historischen Baudenkmäler auf der gesamten Strecke, von den Unesco Weltkulturstätten Belfort und Besançon bis zu den königlichen Salinen von Arc-et-Senans und dem mächtigen Schloss Joux entdecken Sie hier nahezu an jeder Flusskehre ein Stück französisch-deutscher Geschichte.

Über den Rhein-Rhone-Kanal, den Tälern des Doubs und der Saône, dem Canal du Centre in Burgund und der Loire, dem letzten wilden Fluss Europas, verbindet der EuroVelo 6 das Elsass mit der Normandie. Über Hyèvre-Paroisse kam ich unter strahlendem blauem Himmel noch am Vormittag nach Baumes-les-Dames. Der Radweg ist asphaltiert und einfach zu fahren. Das ist gut so, denn die atemberaubende Landschaft zog mich derart in ihren Bann, dass mein Blick mehr auf sie, als auf die Straße gerichtet war.

Besançon

Stadt Belfort
 Stadt Belfort

Da ich am Vortag etwas faul gewesen war, aber in der Nacht gut geschlafen hatte, wollte ich es an diesem Tag wenigstens bis St. Vit schaffen. Trotz der hundert Kilometer, die noch vor mir lagen, plante ich eine zweistündige Besichtigung für Besançon ein. Der Radweg war nach wie vor sehr gut zu fahren und ich war kaum aus der Puste, als ich am Nachmittag dort ankam.

Besançon ist der Hauptort des Franche-Comté und die Geburtsstadt von Victor Hugo. Die Bourgogne und das Franche-Comté vereinigen sich hier zur fünftgrößten Region Frankreichs. Bourgogne-Franche-Comté, entstand 2016 mit Dijon als Hauptstadt. Zudem wurde Besançon 2008 von der Unesco als Weltkulturerbe ausgezeichnet.  Durch die Universität, die eine der Berühmtesten des Landes ist, gibt es in der Stadt viele junge Menschen. Auch deswegen gilt Besançon als die jüngste Stadt Frankreichs. Die beeindruckende fünfseitige Altstadt erstreckt sich zwischen der Zitadelle und des Doubs. Angesichts der vielen schönen und geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten dürfte es Ihnen in Besançon jedenfalls kaum werden. Um die Stadterkundung nicht zur Stresstour werden zu lassen, sollten Sie zwischendurch unbedingt einen der prachtvollen Parks aufsuchen. Und während Sie die schöne Altstadt erkunden, entspannen Sie sich in einem der vielen kleinen Cafés. Herrenhäuser mit beeindruckenden Fassaden, dazu geheimnisvolle Innenhöfe entlang der dicht gedrängten Fachwerkhäuser gibt es zu entdecken. Beginnen Sie den Spaziergang auf der Seite der Battant Brücke. Dort haben Sie einen schönen Blick auf den Quai Vauban und seine Arkadenhäuser aus dem 17. Jahrhundert.

Saint-Vit: Ein Sturz und eine verletzte Schulter

Nach einer Stadtwanderung ging es weiter und nach einigen Kilometern nahm ich ein weiteres Bad im Doubs. Die Sonne brannte nach wie vor. Es waren mehr als dreißig Grad, und das schon die ganzen letzten Tage. Glücklicherweise gab es beim Badeplatz einige Birken und Weiden, die mir Schatten gaben. Ich lehnte das Rad an einen der dicken Stämme, zog meine Sachen aus und sprang in den Fluß.

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Dabei rutschte ich aus und schlitterte über das Ufer in den Doubs. Der Sturz war zwar nicht allzu hart, aber dennoch schmerzte die rechte Schulter sehr. Auf diesen Schreck suchte ich mir einen Schlafplatz und hoffte darauf, dass der Schmerz über Nacht abklingen würde. Mir war von früheren Verletzungen noch in Erinnerung, wie langwierig Schulterverletzungen sind. Die Nacht war alles andere als erholsam. Ich konnte lediglich auf dem Rücken liegen. Sobald ich mich jedoch auf eine Seite legte, begann die Schulter höllisch zu schmerzen.

Über Dole nach Chalon sur Saône

Saone Collage
Saone Collage

Dennoch hatte ich mich so weit erholt, dass ich am nächsten Morgen weiterfahren konnte. Am späten Vormittag kam ich nach Dole. Noch hatte ich Schmerzen, aber längst nicht mehr so stark wie am Vortag. Für die fünfzig Kilometer bis Chalon-sur-Saône ließ ich es langsam angehen. Die Strecke ist familienfreundlich und es gibt zahlreiche Rastmöglichkeiten. Die Brasserien und kleinen Restaurants bieten neben a la Carte-Speisen auch Menüs an. Diese sind preiswerter und beinhalten eine Vorspeise, ein Hauptgericht und Käse oder Nachtisch. In Dole bekam ich zum Menü einen kostenlosen Kaffee. Die Strecke bis Chalon ist ebenso spektakulär und reizvoll wie zuvor. Der Radweg führt meist durch die Natur und fast immer am Fluss entlang. Vor allem die Doubsmündung bei Verdun-sur-le-Doubs ist sehr sehenswert. Kurz vor Chalon-sur-Saône fand ich einen Schlafplatz in einem kleinen Wäldchen nicht weit vom Fluss entfernt.

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