Schädigt Radfahren tatsächlich die männlichen Geschlechtsorgane?

Blick in den Sonnenuntergang

Blick in den Sonnenuntergang

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen scheinen das alte Vorurteil, demnach übermäßiges Radfahren zur Impotenz führt, zu widerlegen. Ganz im Gegenteil: Vieles deutet daraufhin, dass Radfahren einen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der männlichen Radler hat.

Etwa zehn Prozent der männlichen Tourenradler haben Erektionsprobleme

Aktuell denken viele Menschen, dass das Radfahren eine der gesündesten Sportarten für alle Altersklassen ist. Dass aber die Vorteile des Radelns, die angeblichen Nachteile überwiegen, davon lassen sich noch immer die Wenigsten überzeugen. Ein weitverbreitetes Vorurteil, nämlich dass zu viel Radfahren bei Männern zur Impotenz führt, hält sich erstaunlich hartnäckig. Noch vor einigen Jahren schien die Forschung diese Annahme tatsächlich zu bestätigen. So befragten norwegische Forscher 160 Männer nach einer Langstreckentour. Das erstaunliche Ergebnis war, dass jeder Fünfte über Taubheitsgefühle im Intimbereich klagte. Noch erstaunlicher: Jeder Zehnte litt gar an einer erektilen Dysfunktion. Da ich regelmäßig lange Strecken mit dem Fahrrad fahre und ebenso oft wie Sie mit Nachrichten konfrontiert werde, die einen Zusammenhang zwischen ausdauerndem Radfahren und allerlei körperlichen Beschwerden behaupten, wollte ich es genau wissen. Eines vorweg: Wären all die Berichte wahr, dürfte ich mir keinerlei Hoffnung mehr auf ein erfülltes Sexualleben machen. Denn manche Untersuchungen gehen noch weiter und  behaupten, dass Rad fahren generell zur Impotenz führt. Viele andere, seriösere Studien  scheinen aber tatsächlich einen begründeten Zusammenhang zwischen exzessivem Radfahren und Prostatakrebs und Impotenz nahezulegen. Zudem zeigt eine Studie der "European Society of Human Reproduction" aus dem Jahr 2009, dass die Spermien-Reproduktionsrate bei immerhin noch fünfzehn Personen einer größeren Vergleichsgruppe, weit unter der Norm lag. Interessant dabei: Es waren Langstreckenradler, die mehr als 300 km in der Woche radelten.s

Überzeugungskraft vorangegangener Studien steht in Frage

Da die Politik augenscheinlich nicht gewillt ist, ihre Vorstellungen einer gelungenen Infrastruktur zu ändern, scheint zumindest hinsichtlich des Abbaus von Vorurteilen ein Durchbruch gelungen zu sein. Neben der Tatsache, dass die wenigsten Alltagsradler das Pensum eines Triathleten absolvieren, und insofern kaum in die Gefahr geraten, ähnliche Symptome wie die zuvor genannten Sportler zu entwickeln, ist nun eine Studie erschienen, die einen Zusammenhang zwischen exzessivem Radeln und Potenzproblemen fundiert infrage stellt. Die Forscher, die sich auf eine Studie mit mehr als 2.500 Personen berufen, zeigen, dass es überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Rad fahren und erektiler Dysfunktion oder Prostata-Krebs gibt. Zudem bemängeln sie die vergleichsweise kleinen Vergleichsgruppen der vorangegangenen Studien sowie deren Homogenität. Diese bestanden lediglich aus Radfahrern.

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Neue Analysen zeigen: keine Gefahren durch Radfahren

Die aktuelle Untersuchung bezog sich auf drei gleich große Gruppen aus Radfahrern, Schwimmern und Langstreckenläufern. Neben der Frage nach ihrer sexuellen Gesundheit stand auch explizit die Häufigkeit von Prostata-Krebs im Fokus. Dabei stellte sich heraus, dass kein höheres Risiko für Radfahrer, gegenüber den anderen Teilnehmern der Untersuchung besteht. Lediglich die Anfälligkeit für Erkrankungen der Harnröhre war leicht erhöht.

Je intensiver die Radler unterwegs sind, desto weniger Fälle von Taubheitsgefühlen

Unter besonderer Berücksichtigung des Alters der Radfahrer stellte sich heraus, dass, je intensiver diese unterwegs waren, desto weniger Probanden mit erektiler Dysfunktion zu kämpfen hatten. Ein kleiner Wehrmutsropfen bleibt allerdings. Es zeigte sich, dass Radler, die zwanzig Prozent der Zeit im Stehen traten, ein weit geringeres Risiko hatten ein Taubheitsgefühl zu erleben, als jene die die ganze Zeit im Sattel saßen. Die Wissenschaftler sind sich aber sicher, dass es keinen Zusammenhang zwischen Radfahren und Impotenz gibt. Im Gegenteil: Sie sehen vor allem die Vorteile des Radelns. Die vielen positiven Einflüsse auf das Herz-Kreislaufsystem sind derart bedeutsam, dass Rad fahren dem Menschen wesentlich mehr nützt, als es ihm schadet. Durch die regelmäßige Bewegung, die sich nur positiv auf die Potenz des Mannes auswirkt, bleibt lediglich das zuvor ewähnte Taubheitsgefühl als einziger negativer Aspekt des Rad fahrens übrig.

Tipp: Der Sattel

Ein falsch gewählter oder nicht sorgfältig eingestellter Sattel führt dazu, dass dieser im Dammbereich auf die Prostata drückt. Langfristige Schäden sind dadurch aber nicht zu erwarten. Unangenehm ist allerdings, das damit einhergehende Taubheitsgefühl. Ob der Sattel richtig eingestellt ist, zeigt sich, wenn folgende Punkte zutreffen:

  • Das Körpergewicht wird wesentlich von den Beinen getragen
  • Die Knie sind nicht ganz durchgedrückt
  • Der Sattel ist waagrecht montiert (am Besten mit einer Wasserwaage messen)
Quelle: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/87539/Fahrradfahren-Keine-Gefahr-fuer-maennliche-Potenz-und-Harnwegsinfektionen