Die Strecke ist durchgängig gut ausgebaut, beschildert und läßt keine Wünsche offen. Am Sydostleden gibt es viele gut durchdachte Rastmöglichkeiten mit mit Bänken, Tischen und manchmal Grillplätzen. Der Küstenradweg, der entlang der wunderschönen Ostseeküste und durch nahezu unberührte Natur führt, ist ein absolutes Highlight! Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es allerding: Längere Strecken ohne die Möglichkeit an Brunnen bzw. öffentlichen Stellen Wasser zu bekommen. Insofern bleibt nichts anderes übrig, Wasser zu kaufen. Das ist aber kein Problem. Entlang der Strecke gibt es zahlreiche Einkaufmöglichkeiten.

Der etwa 260 Kilometer lange Fernradweg Sydostleden wurde am 17. Juni 2016 eröffnet und führt mit Skåne, Blekinge und Småland durch drei der beliebtesten Provinzen Schwedens. Los geht es in dem malerischen Fischerdörfchen Simrishamn und endet in der Universitätsstadt Växjö. Dazwischen erleben Sie aus Film und Fernsehen bekannte Orte und Landschaften. Schließlich ist Schweden nicht nur die Heimat der berühmten Kommissare Martin Beck und Kurt Wallander, sondern auch das Land der Helden unserer Kindheit. Småland und das südliche Schweden, uns als die Heimat von Pipi und Michel bekannt, sind genauso, wie wir es uns schon immer vorgestellt haben. Braun gefleckte Kühe und typische Gotlandponys grasen auf sattgrünen Wiesen. Während in den endlosen Birkenwäldern die Holzfäller ihrem Tagwerk nachgehen und in den Dörfern der Duft von frisch gebackenem Brot über die Schotterwege strömt.

Simrishamn

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Vattenriket_Kristianstad_1
Vattenriket_Kristianstad_1 – Jakobiaa, Vattenriket Kristianstad Path, Auschnitt, Farben von Michael Hanf, CC BY-SA 4.0
Bei Vitemölla
Bei Vitemölla
Blick aufs Meer - Simrishamn
Blick aufs Meer – Simrishamn

Ich kam von Trelleborg über Ystad nach Simrishamn geradelt. Die Stadt Simrishamn, mit seinen etwa 7000 Einwohnern eher ein Dorf, das durch die touristische Anziehungskraft der Küste Südschwedens in den Sommermonaten allerdings auf bis zu 25000 Einwohner anschwillt, ist das beliebteste Ferienziel der oberen Schichten Stockholms. Am kleinen Fischerhafen, der noch vor einigen Jahrzehnten die größte Fischereiflotte Schwedens beherbergte, gibt es mehrere Cafés und Restaurants. Die Mittagszeit war noch nicht angebrochen. Ich wollte noch ein Frühstück in einem der Cafés bestellen, aber zu meiner Überraschung gab es keine freien Plätze mehr. Dann würde ich eben später einen Happen an einem der Strände essen. Zumindest war das Schild nicht zu übersehen, das auf den Beginn des Sydostledens hinweist.

Ein Schlafplatz am Nachmittag

Kurz hinter dem Hafen folgt ein weit ausgedehnter Campingplatz. Entlang der Südküste gibt es eine ganze Reihe solcher Plätze. Allerdings war keiner so groß wie dieser und ich wunderte mich darüber, dass auf darauf kaum Zelte oder Wohnwagen standen. Lediglich Wohnmobile in allen Größen gruppierten sich rund um die Sanitärhäuschen und entlang des abgesperrten Strandes. Angesichts dieses Anblicks war ich froh darüber auf den Komfort einer heißen Dusche auch mal verzichten zu können. Also weiter Richtung Kivik, dem Mekka aller schwedischen Apfelbaumfreunde.

Vitemölle

In der Nähe von Vitemölla fand ich einen schönen Platz auf einem Hügel. Obwohl es erst Nachmittag war, entschied ich mich das Zelt aufzuschlagen. Die Aussicht und die Abgeschiedenheit des Platzes beeindruckten mich. Ich fuhr dann hinunter zum Strand, packte die Kochutensilien aus und zauberte eine Pasta con Aglio mit Olivenöl, Oregano, Basilikum und etwas Tomatenmark abgeschmeckt.

Schweden-Info

Was ist typisch Schwedisch? Bestimmt kommt einem zuerst Ikea in den Sinn. Vielleicht auch noch die Rentiere und das Sami-Land. Wer schon in Schweden war, oder die Werbung für schwedische Produkte gesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass man in Schweden mit dem persönlichen Du angesprochen wird. Außerdem verzichten die Schweden gerne auf die förmliche Nennung eines Titels im Namen. Obwohl dort ein sehr lässiger und freier Umgang miteinander gepflegt und auf Hierarchien kaum geachtet wird, sind Werte wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Authentizität den Schweden sehr wichtig.

Begegnungen

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Glimmingehus
Glimmingehus
Schloss bei Åhus
Schloss bei Åhus
Simrishamn
Sim

Es sind oft Zufälle, die Eindrücke zu besonderen Erinnerungen gerinnen lassen. Satt und zufrieden sinnierte ich über das Ruderboot, das vor mir im Sand lag. Stellte mir einen Fischer vor, der auf der ruhigen See im Morgenrot seine Angelrute auswirft, als eine junge Familie den Strand entlang gelaufen kam. Der Mann trug einen Picknickkorb. In einiger Entfernung machten sie halt und breiteten eine Decke aus. Unterdessen die Frau Pappteller und Essen auf der Decke auslegte, gingen die anderen in den angrenzenden Wald und sammelten Holz. Die Familie hatte es sich um das Feuer herum gemütlich gemacht und die Kinder hielten an Spießen befestigte Kartoffeln in die Flammen. Während ich mir noch einen Kaffee kochte, kam der Vater in meine Richtung gelaufen. Interessiert schaute er auf mein Gepäck, und wir kamen in ein Gespräch über das Radreisen. Dabei erzählte er mir, dass er im Frühjahr auf Gotland radeln war. Nachdem wir einige Zeit gefachsimpelt hatten, kamen die Kinder angelaufen und boten mir eine gegrillte Kartoffel an.

Ein kleiner Abstecher zum Glimminge Hus

Die Wiese gehörte der netten Familie. Ich hatte keine Bedenken das Zelt stehen zu lassen und einen Ausflug ins Hinterland zu machen. Ich brauchte auch neue Gaskartuschen für meinen Kocher. Google Maps schlug mir das etwa 30 KM entfernte Tomelilla vor. Ich ging dann noch in ein Freibad und holte die verpasste heiße Dusche nach. Auf der Strecke befindet sich auch eine der besterhaltenen Burgen Skandinaviens, Glimmingehus. Die um das Jahr 1500 von dem westfälischen Baumeister Adam von Düren errichtete Burg diente vor allem zum Schutz von Bauernaufständen. Glücklicherweise war sie bei meinem Besuch zur Besichtigung geöffnet. Bei Grabungen gefundene Gegenstände, wie beispielsweise Werkzeuge, Rüstungs- und Waffenteile, und auch venezianische Glas- und spanische Keramik Exponate sind ausgestellt.

Über Kivik nach Kristianstad

Kristianstad
Kristianstad
Kristianstad
Kristianstad
Karlshamn
Karlshamn
Stortorget Karlshamn
Stortorget Karlshamn – Patrik Nylin, StortorgetKarlshamn, Auschnitt, Farben von Michael Hanf, CC BY-SA 4.0

Der Radweg führt zwischen Vitemölla und Åhus ein längeres Stückchen an einer Hauptverkehrsstraße entlang. Allerdings, und das macht die Strecke dann doch wieder reizvoll, überquert sie die hügeligste Gegend Südschwedens. Kleinere Birkenwälder wechseln sich mit Apfelbaumplantagen ab. Åhus, die Heimat von Absolut Wodka und im Mittelalter der bedeutendste Handelsplatz im dänischen Schonen, ist heute eine reizvolle Kleinstadt mit mittelalterlichem Stadtkern. Von dort ist es nur noch ein kurzes Stück bis Kristianstad. Heute zählt Kristianstad etwa 40000 Einwohner und beherbergt eine der größten Universitäten südlich von Stockholm. Vom dänischen König Christiaan IV. gegründet, erlangte Kristianstad im 17. Jhd. eine wichtige Bedeutung als Festungsstadt. Nicht weit vom Stadtkern entfernt gibt es eine Jugendherberge, ein sogenanntes Vandrarhem mit angeschlossenem Campingplatz. In Schweden sind die Vandrarhem in aller Regel privat geführt und für alle Altersklassen offen und wesentlich günstiger als Hotels oder Pensionen.

Von Kristianstad bis Karlshamn

Von Kristianstad radelte ich weiter bis zur südlichen Spitze des Nösjön. Die Landschaft bis Sölvesborg ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Außerdem wird die Besiedlung immer dichter und der Autoverkehr nimmt unerträgliche Ausmaße an. Deswegen entschloss ich mich dazu, mir einen Weg über Bromölla, Ebbalycke und Pukavik nach Karlshamn zu suchen. Auf einem Stück Wiese in der Nähe von Forsbacka fand ich schließlich einen ruhigen Platz am Waldrand. Nachdem ich das Zelt aufgebaut hatte, die Sonne war schon untergegangen, las ich noch in dem Buch Utvandrarna von Wilhelm Moberg. Sein berühmtes Werk handelt von  der Auswanderungswelle im 19. Jhd, die unter anderem durch einen starken Anstieg der Bevölkerung ausgelöste wurde, und die vor allem Menschen aus Småland und Värmland in die USA trieb. Das Buch fesselte mich, seit ich in Rostock die Fähre bestiegen hatte. Am nächsten Morgen, es dämmerte noch, radelte ich die letzten Kilometer nach Karlshamn und genoss den morgenfrischen Duft des dichten Birkenwaldes und den kühlen Wind der mich begleitete.

Am Mörrumsån

Mörrum
Mörrum

Der Radwanderweg führt durch die malerische Innenstadt Karlshamns und erstreckt sich dann bis Tostarp. Ein gut ausgebauter Radweg begleitet den Mörrumsån, einen wilden Fluss, der bei Mörrum in die Ostsee mündet. Das vom eisenhaltigen Granit dunkel gefärbte Wasser gibt dem Fluss eine unnahbar, mystische Aura und kontrastiert eindrucksvoll mit dem farbenfrohen Lichtspiel der sommerlichen Mittagssonne. Die Strahlen lassen das saftige Grün des Mooses erleuchten, das die zahlreichen, hin und wieder mannshoch aus dem Waldboden ragenden, Granitblöcke bedeckt. Über Svengsta geht es weiter durch dichte Wälder bis Hovmansbygd. Dort befindet sich die Ebbamåla Bruk, eine ehemalige Eisengießerei. Das preisgekrönte Industriemuseum verfügt über eine funktionsfähige historische Gießerei. Einige Kilometer nach Urshult fließt der Mörrumsån in den Åsnen See.

Tyngsryd und Växjö

Ryd
Ryd

Von Urshult, einem kleinen Ort in der Nähe von Ryd, bis Tingsryd, wurde eine alte Bahnstrecke, über die früher das småländische Eisenerz an die Küste transportiert wurde, zu einem modernen asphaltierten Fahrradweg umgebaut. Den letzten Abschnitt des Fernradweges nach Växjö, führt die Strecke größtenteils durch die einmalige småländische Natur.