Plage de l’Espiguette - Camargue
Plage de l’Espiguette – Camargue

In meiner Jugend lebte ich einige Jahre an der Cote d’Azure, dennoch kam ich in diesem Herbst das erste Mal in die Camargue. Überrascht von den zahlreichen Naturschutzgebieten und der landschaftlichen Schönheit des Bouches-du-Rhône, spürte ich unvermittelt den krassen Gegensatz zur Cote. Während dort die normierten Bettenburgen selbst im Winter noch bevölkert sind, verirren sich hier im Dörfchen Saint Marie de la Mer, nur wenige Menschen im naturwüchsigen Gewusel kleiner Gässchen.

  • Die beste Zeit in der Camargue ist der späte Frühling oder Anfang Sebtember. Kommen Sie am 24. und 25. Mai nach Saint-Marie-de-la-Mer, dann erleben sie die Wallfahrt der Gitane zu Ehren der schwarzen Sara.
  • Zwar gibt es in den Orten bzw. an manchen Stränden einen Fahrradverleih, allerdings ist die Qualität der Räder nicht immer die beste. Der anspruchsvolle Radler bringt sein eigenes Fahrrad mit.
  • Da der Mistral das ganze Jahr über sporadisch das Rhônetal herabweht, ist eine Radtour lediglich an mistralfreien Tagen zu empfehlen.

Die Sonne brannte durch einen strahlend blauen Himmel hindurch und eine laue Brise wehte über die Ebene aufs offene Meer hinaus. Lediglich einige Einheimische und Halbjahres-Camper, die mit ihren überlangen mobilen Heimen auf Parkplätzen zwischen Straße und Strand ihre Bleibe gefunden hatten, begegneten uns.

Strand bei Saint_de_la_mer
Strand bei Saint_de_la_mer

Pension Saintes_marie_de_la_mer

Bei Aigues Mortes
Bei Aigues Mortes
Flamiengos Camargue
Flamiengos Camargue

Einsame Strände und ursprüngliche Natur

Der Herbst ist eine gute Jahreszeit für eine Reise in die Camargue. Die meisten Touristen, die ansonsten hier an Stränden liegen, arbeiten wieder, und für die anderen ist es zu wenig südlich oder nicht exotisch genug. Obwohl viele Kilometer feinster Sandstrand und eine atemberaubend bunte Natur den Besucher geradezu im stillen dankbaren Staunen sich selbst überlassen, sind diese menschenleer. Der Plage de l’Espiguette, der sich einige Kilometer westlich von Saint Marie de la Mer befindet, ist mit achtzehn Kilometern der längste Strand Europas. Im Hochsommer vervielfachen sich die Besucherzahlen. Entlang der Strände tummeln sich dann bis zu hunderttausend Sonnenhungrige.

Die Camargue im Wandel

Haus in der Camargue
Haus in der Camargue

In der Antike und dem Mittelalter war das etwa 800 km² große Gebiet kaum besiedelt. Das brackige und ebene Fleckchen Erde, eingezwängt zwischen den beiden Mündungsarmen der Rhône, erstreckt sich zwischen den Städtchen Arles im Norden, Aigues-Morte im Westen und Martigues im Osten. Bis zur Kanalisierung und dem Bau des Digue à la Mer blieb die Camargue dem stetigen Kampf zwischen mächtigem Fluss und hungrigen Meer unterworfen. Während der Landstrich früher ein undurchdringlicher Sumpf war, entwickelte sich die Camargue im 20. Jhd. zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort. Um die Böden zu entsalzen, experimentierten die Landwirte mit dem Anbau von Reis, woraus sich für die Camargue typische rote Reis entwickelte. Auf sehr tonhaltiger Erde angebaut, werden dennoch jährlich 250000 Tonnen geerntet. Das deckt etwa die Hälfte des Verbrauchs in Frankreich. Darüber hinaus spielen die Viehzucht und der Salzabbau eine bedeutende Rolle. Wie zufällig im Land verstreut, grasen auf nicht eingezäunten, wilden Weideflächen, die unzähmbare Camarguestiere.

Camargue-Stiere
Camargue-Stiere

Saint Marie de la Mer

Saintes_marie_de_la_mer - Kirche
Saintes_marie_de_la_mer

Unser Hotel lag wenige Hundert Meter vor dem Ortseingang und war leicht zu finden. Wir checkten ein, gingen zum Strand und legten uns in den warmen Sand. Liesen uns einlullen vom stetigen Auf und Ab der Wellen. Bevor im Jahr 1984 der Sandstrand vor Saint Marie de la Mer aufgeschüttet wurde, drohte die Küste im Meer zu versinken. Denn hingegen des ersten Anscheins fungiert die Aufschüttung in erster Linie als Deich. Im Mittelalter lag der Ort noch mehrere Kilometer von der Küste entfernt. Aber trotz der vielfältigen Schutzmaßnahmen verwandelt das gefräßige Meer auch heute noch jährlich bis zu 15 Meter der Küste in Schwemmland. Blaugrün glitzernde Lagunen und weit ins Wasser reichende, mit Quader-Steinen aufgeschüttete Wälle, wechseln sich mit breiten, in der blassen Herbstsonne fast weiß schimmernden, Stränden ab.

Saintes_marie_de_la_mer
Saintes_marie_de_la_mer

L’eglise Notre Dame de la Mer

L'eglise St. Marie
L’eglise St. Marie

Die alles überragende aus vorromanischer Zeit stammende Kirche weist einem Leuchtturm gleich, kilometerweit dem Reisenden die Richtung. Das von Zinnen und einem Wehrgang umgebene Dach der Kirche diente als Wachturm. Über dem Chor und der Apsis befindet sich die ehemalige Wachstube. Die Kirche diente neben dem Gebet auch als Zufluchtsort bei Stürmen und Belagerungen. Im Inneren gab es ausreichend Platz und auch eine Süßwasserquelle war für die Schutzsuchenden vorhanden. Unter dem Hochaltar liegt die Krypta, wo sich der Überlieferung nach die Wohnung der Marien befand. Hier steht die kleine Statue der schwarzen Sara.

Kirche - Saintes_marie_de_la_mer
Kirche – Saintes_marie_de_la_mer

Die zwei Marien und ihre Dienerin

Gitanes in Saint Marie de la Mer
Gitanes in Saint Marie de la Mer

Um das Jahr 30 n. Chr. sollen die zwei Marien, Maria Magdalena und Martha mit ihrer Dienerin Sara vor der Küste der Camargue gekentert sein. Nachdem sie sich an Land retten konnten, siedelten sie sich an und verbreiteten das Christentum. König René ließ im 14. Jahrhundert nach den Gebeinen der heiligen Frauen suchen. Man fand die Gebeine zweier Leichname in sitzender Haltung und mit gefalteten Händen. Diese wurden in der Kirche Notre Dame de la Mer bestattet. Seither ist Saint Marie de la Mer zu einer wichtigen Pilgerstätte geworden.

Pilder in Saint Marie de la Mer
Pilder in Saint Marie de la Mer

Die schwarze Sara – Eine Wallfahrt im Mai

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Im Gegensatz zu den beiden Marien, wurde die schwarze Sara nie heiliggesprochen. Sie wird alljährlich zum verehrten Mittelpunkt einer äußerst lebendigen Wallfahrt der Roma in Frankreich und Spanien. Sara liegt in einem schlicht verglasten Holzkästchen, das bemerkenswert lieblos mit einem billigen Band zusammengehalten wird.